Take a stick and make it sharp
Fri 29. Apr 2011 - Sat 04. Jun 2011

Press Release


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Helen Marten
Take a stick and make it sharp
30. April - 04. Juni 2011
Eröffnung: 29. April 2011, 16 - 21 Uhr

Es gibt eine mittelalterliche Sparsamkeit in der Idee, dass zwei zurechtgeschnittene Stöckchen Feuer erzeugen, wenn man sie gegeneinander reibt. Etwas, das so stumm und dumm ist wie ein kleiner Teil eines Baumes, trägt – durch impulsives Schneiden, Schwitzen und Glück – die Möglichkeit eines Brandes in sich. Da ist aber auch eine läppische Dummheit in der Anordnung – es gibt weder Handbuch noch Download mit einem Hinweis, wie diese blinde Alchemie je so simpel sein könnte wie ein Streichholz. Und da ist auch die Frage nach dem Fehlenden, nach dem Glanz der Handlungen vor und nach dem Ab- und Zurechtschneiden. In ihrem Titel deutet die Ausstellung einen Befehl, einen Optimismus an, aber auch das Bild eines unglückseligen Ingenieurs, der sich mittels eines altertümlichen karikaturhaften Arbeitsprozesses bewegt.

Frage: Haben Sie sich jemals gefragt, ob die Ziegel einer Fassade schnell genug Schmutz absorbieren?

Frage: Könnten sich Butterbrotkrümel und Gemäuerstaub miteinander vermischen?

Auf einem großen Teil des Werks liegt der Abdruck einer Technologie, die von ihrem Weg abgekommen ist. Bilder der Funktionalität – gesellschaftliche Codes des Bauens, Sitzens, Erklärens – werden launische Konkurrenten für eine Art perfektionierter, statischer Nutzlosigkeit. Materialien, in Schichten übereinander gelegt, starkes Streben nach einem totalen Glanz, das immer wieder durch belanglose Zusätze und Oberflächenfolien untergraben wird. Interesse wird erweckt mit Glitzer und Detail. Elementare Symbole von Form und Inhalt und Markenbildung sind verpackt und stehen bereit, um mitzureißen.

Frage: Wenn die Uhr mit ihrem schmucklosen Zifferblatt und der runde Brunnen die wesentlichen Logos eines Platzes sind, warum ist die anonyme Statue immer die Darbieterin mit der größten Symbolik?

Frage: Sie sagen, grelle Typographie sei sexy?

In den zwei Wandarbeiten in der Ausstellung sind die Traditionen der Symbole in religiösen und nicht-religiösen Gebäuden verflacht. Die schlängelnde Verfremdung einer Tudor-Einschalung – eine Lehrbuchkarikatur – spielt sich selbst aus gegen ein Cartoon- und Cutout-Wandbild des industriellen 'Fortschritts', ein Wandbild der Hände und Fäuste und Werkzeuge und des Schmutzes. In einer Art von halbstarkem Imponiergehabe gehen diese klassischen Fassaden in einer schaumigen Verbindung auf, irgendwo zwischen Mittelalterlichem und Kommerz. Das kulturelle Gebäude (herkömmlicherweise zu stolz, um aufgemotzt und kommerzhaft zu sein) ist mit dichten, aber in eleganter Weise verschwommenen Silhouetten vorbereitet für weiteren Export und Expansion.

Frage: Was können Sie mit einem Schlüsselrohling öffnen?

Panic Hardware entfaltet sich mit der ganzen aalglatten Stumpfheit eines Katalogs, einer schrittweise vollzogenen Kartograhpie von erkennbarem Bild und potentiellem Nutzen. Griffe, Haken und Klammern – Logos der Heimwerkerei und der Lebenshilfe – sind zu einem feierlichen Amalgam verschmolzen, das sowohl porno- als auch typographisch ist. Das unterste Ende des Do-It-Yourself-Spektrums ist erotisiert. Das Einzigartige wird in lächerlicher Weise in einem sich lösenden Raster zur Schau gestellt, in dem das Gewöhnliche und das Exotische sich in den gleichen seltsam digitalen Glanz einwickeln.
Die Oberfläche, entschieden sauber und schimmernd vom Holz, ist eben, aber ihre Komposition ist abgerissen, überdreht, zusammengesteckt. Es gibt einen sturen, besitzgierigen Stolz in der Flachheit, doch auch einen Impuls zur Fehlerhaftigkeit. In diesem Zentrum der Flickwerkpräsentation von gestreiften Kurven und sanft geschwollenen Umrissen ist der vorrangige Impuls der eines keimfreien Exzesses, einer Hingabe zur Indiskretion, der nicht vom Geschmack bestimmt ist, sondern von stiller Lust oder Verzweiflung. Und mittels dieses kondensierten Ausuferns entfalten diese deftigen, doch sauber angeglichenen Formen eine alles mitreißende Geschwindigkeit und Überschwänglichkeit, welche durchgehend die Berührung einer unverwechselbaren menschlichen Hand hinterlässt: Wir begegnen dem schlaffen Modernisten, dem Urbanisten, dem Industriellen, dem Fantasten und dazwischen: den eingerüsteten Ideenkrümeln.

Frage: Entfernt die ehrgeizige junge Schönheit ihre Beinhaare?
Frage: Wie bewegt man sich zwischen Levels?
Frage: Wenn die Rauchwolke gegenständlich ist, ist sie auch solide?

Bilder von Bänken, Leitern, Rampen, Rauch und von Papierkram deuten auf eine gesellschaftliche Präsenz, die umhertappend erkennbar ist. Den Arten von Emotionen, die in der Zeit der Mittagspause, in der Kette der Ideen-Räume zwischen dem Auswechseln der Druckerpatrone tätig sind, werden eine tastbare Präsenz gegeben. Als Leitmotive gesellschaftlicher Aktivität agieren Möbel als Requisiten, als psychologische Ladung. Zwei Bänke sorgen in einer ausladenden Bewegung für Reibungen im Gesprächsraum und legen dabei Klischees eines koketten Austauschs offen. Molotow-Cocktails verschwimmen mit billigen Bar-Logos, während modische Handtaschen der Saison mit sexualisierter Betonung von Zähnen und Fingernägeln Konversationen anregen. Da ist eine Attitüde in der Darbietung von Waren, die Klebrigkeit von Gast- und Angeberei, von Wortspiel und Flair.

Die Evolution einer Idee – dieser urtümliche Wachstum vom vagen Fleck zur vollen Sphäre – überträgt sich via Stahlrohrgröße zu einer sportlich gebogenen Rampe. Rauch ist angerissen als wahre Anomalie eines Slapsticks, der ultimative Vernebler, der Mystifizierer. Und ikonographische Ausstrahlungskraft bildet ihre eigenen Fetzen architektonischer Umgangssprache. In dieser ganzen Angelegenheit, in Blendung und Nebel liegen Spuren beginnender Ambitionen, diese makabre, karikaturhafte Anleitung, ein Stöckchen zu nehmen und zurechtzuscheiden.

Die 1985 geborene Helen Marten lebt und arbeitet in London und in Macclesfield, Großbritannien. Sie studierte an der Ruskin School of Fine Art, University of Oxford. Zu ihren jüngsten Ausstellungen gehören wicked patterns in der Galerie T293 (Neapel), I like my heroes marble chested, präsentiert von Carl Kostyal, London, Boule to Braidin, Lisson Gallery, London und Untitled, Four Boxes, Dänemark.
Für 2011 sind eine Gruppenausstellung bei Catherine Bastide in Brüssel und ein Projekt bei The Serpentine Gallery in London geplant.


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Helen Marten
Take a stick and make it sharp
April 30 – June 4, 2011
Opening reception: April 29, 4 – 9 pm

There’s a medieval thriftiness to the idea that two sharpened sticks dragged over one another could make fire. That something as quiet and dumb as a small section of tree - via impulsive chop and sweat and luck – carries a potential blaze. But there is also a fiddling stupidity in the instruction, no manual or download to offer suggestion of how this blind alchemy could ever be as simple as a match. And there is also the question of what’s missing, of the glaze of actions before and after the taking and the sharpening. So in the title, the exhibition suggests a command, an optimism, but also the image of hapless engineer moving via ancient cartoon process.

Question: Have you ever wondered if the bricks on a façade will absorb dirt quickly enough?
Question: Could the crumbs of sandwiches and masonry dust comingle?

In much of the work there lingers the imprint of sidetracked technology. Images of functionality – social codes of building, sitting, explaining – become petulant competitors for a kind of perfected, static uselessness. Materials build in layers on top of one another, high aspirations towards a total sheen that are repeatedly undercut by fiddling additions and surface foils. Interest is via glitter and detail; elemental icons of shape and substance and branding are packaged and ready to carry away.

Question: If the grave-faced clock and circular fountain are essential logos of a plaza, why is the anonymous statue always the most symbolic exhibitor?
Question: You say violent typography is sexy?

The traditions of symbols in civic and religious buildings are flattened in two wall pieces. A wriggly bastardisation of Tudor formwork – textbook caricature – plays itself off against a cartoons-and-cutouts mural of industrial “progress”, of hands and fists and tools and dirt. In a kind of camp muscle-flexing these classic facades merge in a frothy bind somewhere between the medieval and the mercantile. The cultural building conventionally too proud to be interesting is sexed up and commodified, with dense but chicly blurred-out silhouettes ready for further export and expansion.

Question: What can you open with an uncut key?

Panic Hardware unfolds with all the glib dumbness of a catalogue, a part-bypart mapping of recognizable image and potential use. Handles, hooks, brackets – logos of home and life improvements – are conflated in a celebratory amalgam that is both porno- and typographic. The lowest end of the DIY spectrum is eroticized; the ubiquitous is hilariously paraded in a disintegrating grid where the ordinary and exotic fold into the same strangely digital glaze. Determinately clean, the surface sheen of the woodis even, but its composition is ragged, pixilated, pinned together. There is a stubborn, possessive pride in the flatness, but an impulse for wrongness, too. In this patchwork display centre of brushed curves and softly swollen outlines, the overriding impulse is one of sanitized excess, an abandon to indiscretion that is governed not by taste, but by silent lust or desperation. And via this condensed sprawl, these hefty but neatly aligned shapes unfold a pervasive speed and exuberance that places the touch of a distinctly human hand throughout: we meet the flabby modernist, the urbanist, the industrialist, the fantasist and the crumbs of ideas scaffolded-up in between.

Question: Does the aspiring maiden wax her legs?
Question: How to move between levels?
Question: If the puff of smoke is graphic, is it solid?

Images of benches, ladders, ramps, smoke and paperwork suggest a social presence that is gropingly recognisable. The types of emotion that operate in the time of the lunchtime break, in the chain of idea-space between changing printer cartridges, are given a tactile presence. As motifs of social activity, furniture acts as prop, as psychological charge. With a movement that is one of spreading out, two benches make frictions in conversational space, unfolding clichés of flirtatious exchange and stereotype. Molotov cocktails blur with sleazy bar logos, whilst seasonally fashionable handbags incite conversation with sexualized punctuations of teeth and nails. There’s an attitude of displaying wares, the stickiness of hosting and boasting, of pun and flair.

The evolution of an idea – that primordial growing from dim speck to full sphere – translates via steel tube size as athletically inflected ramp. Smoke is marked out as the true aberration of slapstick, the ultimate obscurer, the mystifier. And iconographic virality forms its own shreds of architectural vernacular. In all this matter, this dazzle and fog lie traces of the beginning ambitions, that ghoulishly cartoonish instruction to take a stick and make it sharp.

Helen Marten (b. 1985) lives and works in London and Macclesfield, UK. She studied at the Ruskin School of Fine Art, University of Oxford. Recent exhibitions include wicked patterns, T293, Naples, I like my heroes marble chested, presented by Carl Kostyal, London, Boule to Braid, Lisson Gallery, London and Untitled, Four Boxes, Denmark.
Upcoming projects include a group exhibition at Catherine Bastide, Brussels and a project with The Serpentine Gallery, London.