Cornet of Horse
Sat 19. Nov 2011 - Sat 17. Dec 2011

Press Release


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Henning Bohl
Cornet of Horse
19. November – 17. Dezember 2011


Um etwas schon Gemachtes in etwas schon Gemachtem als formuliert zu zeigen, werden in der Ausstellung Keilrahmen gezeigt, die mit Schultüten an den Boden gehängt sind; die einen im Autohaus, die anderen in der Garage geparkt. Die Schultüte tatsächlich wegen „ich bringe Marie oder Josefin oder Helena zur Schule“.
Als allgemeine Lebensrealität, die einem die Existenz davon überhaupt erstmal
Nahe bringt. Verbunden mit der Erfahrung, wie einfach man aufgeht darin. Bei gleichzeitigem Gefühl von totalem Alienated-Sein. Dann hatte sich das auch vorher schon als Begriff formuliert; „Schultüte“. Mit einem Freund war es über andere Wege dazu gekommen, diesen zu verwenden; als soziale Metapher für eine Form, die sich gebildet hatte und die, wie so oft, erst über diese Benennung weiter brauchbar wurde. Auf jeden Fall sind die Schultüten dann gekauft worden und standen für eine ganze Weile im Atelier, um darüber nachzudenken, was das denn nun sei. Lebenslanges Lernen etwa. Auch über die eigene oder die „Künstler“-Biographie. Eine Zwischenwelt in der Küche, in der die Soße schon eingedickt ist, aber jederzeit droht wieder auszuflocken. In der jedes weiter erworbene Wissen dir das Denken zunebelt, es schwerer macht, sich auf die „Vorreiter“ zu stützen oder zu stürzen. Und jedwede Hinwendung an eine helfende „Referenz“ die schale Verwesungsnote berechnenden Geschmäcklertums und anbiedernden Sozialverhaltens verströmt. Puh. Vorher Internat, Bundeswehr, drei Kunsthochschulen. Und 10 Jahre danach? Die Frau vom Jobcenter sagt: „Das ist kein Lebenslauf. Das haben Sie hier alle: Stipendien, internationale Einzelausstellungen und Galerien in Amerika. Wir wollen wissen, was für Qualifika-tionen sie sich erworben haben in der Zeit nach dem Studium. Wir wollen wissen, für welche Berufe sie geeignet sind.“ 20 Jahre Texte zur Kunst, 30 Jahre Mike Kelleys Educational Complex, 40 Jahre Kreation & Depression. Die Schultüte. Beginn lebens-langer Kontrolle durch die Institutionen, jenseits der Familie, angetragen durch Süßigkeiten und schwachsinnige Bildwelten. Die ja auch wirklich Schönheit hervor-bringen können. Die aber jedenfalls stupideste Zuweisungen enthalten: Pferde, Spiderman und auch Soziale: Polkadots, Bob der Baumeister. Deine Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus.

Die in der Ausstellung „Cornet of Horse“ gezeigten Arbeiten wurden schon im Sommer diesen Jahres in der gleichnamigen Ausstellung im Hamburger Kunstverein und auf der ABC in Berlin gezeigt. Aufgrund der Größe der Ausstellungsfläche waren die Arbeiten dort (Hamburg) in einem retrospektivem Zusammenhang präsentiert, wodurch die Möglichkeit eines Vergleiches entstand, wie auch die neuen Arbeiten zeitlich oder „entstehungsgeschichtlich“ verortet und somit bereits als Teil der älteren begriffen wurden. Für die Galerie war nun die Idee, die neuen Arbeiten als neue Arbeiten zu zeigen, also zunächst einmal nur in ihrem eigenen Zusammenhang.
Die hier versammelten Skulpturen bilden folglich eine Ausstellung im Sinne eines auch bei Anderen zu beobachtenden self-samplings, also eines Wiederholens eigent-lich schon gemachter Arbeiten als neuer, nur dass die hier gezeigten Arbeiten erst wenige Monate alt und mit sich selbst identisch sind. (Das Versprechen des self-samplings scheint mir vor allem darin zu liegen, eine Reaktion auf die offensicht-lich weiterhin und ungemindert bestehenden Zwänge zu bieten, ständig neue Arbeiten und Produktionen anzuleiern und dies ungeachtet einer allgemein konstatierten Krise, die - wie von manchen behauptet - eine Zeit der „Pause“, der „Besinnung“
und der „Aussonderung“ weniger guter „Produkte“ mit sich brächte. (Diese Leute bräuchten auch mal eine Pause.) Die Strategie scheint hier, bestimmte Arbeiten öffentlich in einen Loop zu legen, um auf einer zweiten Spur Zeit zu gewinnen für andere, genauso wichtige Dinge wie „Selters, Sandkuchen, Pumpernickel, Aprikosen, Diätjoghurt, Quellwasser, Haferkekse und Sellerie“.)


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Henning Bohl
Cornet of Horse
November 19 – December 17, 2011


For something that's already been done to be verbalized as something that's already been expressed, the exhibition presents stretcher bars hung onto the floor using school cones; some parked at the car dealership, others in the garage. The cones simply because of “I’m bringing Marie or Josefin or Helena to school”. A general reality that brings these cones into your existence. Linked to the experience of how easily one can be absorbed by it, although simultaneously left with a feeling of complete alienation. It was already phrased as a term: Schultüte. With a friend it happened that this term was used; a social metaphor for a form that had developed itself. And as so often the Form could only be used under this Name. In any case, the cones were bought and stood around the studio for quite some time, to be reflected on what that could mean; For instance a lifetime of learning. ‘Artistic’ biography in general, as well as one’s own.
A transitional world in the kitchen, where the sauce already thickens but also threatens to coagulate any moment. A moment in which every bit of additionally acquired knowledge dazes your thinking, where relying on or stumbling over ‘pioneers’ becomes ever more difficult. For every turn towards a helpful ‘reference’ reeks of decaying calculation in matters of taste, exuding pandering social behavior. Puh. First boarding school, military service, three art academies. And 10 years later? The woman at the job center says: “This is no CV. This is what everybody has: awards, international solo exhibitions and galleries in America. We’d like to know what kind of qualifications you’ve acquired in the time since you graduated. We want to know what kind of profession you are suited to”. 20 years Texte zur Kunst, 30 years Mike Kelley’s Educational Complex, 40 years Kreation und Depression. The school cone. Beginning of a life controlled by institutions beyond family, offered by sweets and mindless illustrations. These can create real beauty. At the same time they’re branded with the most stupid polarisations: horses, spiderman, as well as the social: polka dots, Bob the builder. Your freedom in contemporary capitalism.

The works in the exhibition “Cornet of Horse” have already been exhibited in the exhibition of the same title at the Hamburger Kunstverein and at ABC Berlin earlier this year. Due to the size of the exhibition space in Hamburg the works were presented in retrospective context that provided the possibility of comparison, placed the new works in a "history of origins" and consequently took them as already the old ones. For the gallery, the idea was to exhibit the new works as new works, first of all in their own given context. Hence, the sculptures assembled here deploy an exhibition based on self-sampling as to be seen elsewhere as well. They are a repetition of previously made works, the difference being that they are only a few months old and are identical to themselves. (The promise embedded in this idea of a sampled self seems to represent a reaction to the continued pressure of constantly grinding out new work despite a generally stated crisis. As some people have claimed, this would be a time for a pause, reflection, and sorting out less qualified "products". (These People might need a break too). The strategy here is to situate these works in a loop in order to gain time on a second circuit for different and equally important things such as "selzer, garden cake, pumpernickel, apricots, diet yoghurt, spring water, oatmeal cookies and celery".)