Marcelline Delbecq / Nora Schultz
 
Marcelline Delbecq / Nora Schultz
Sat 26. Nov 2005 - Sun 08. Jan 2006

Press Release


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Marcelline Delbecq
(Geb. 1977)
Lebt und Arbeitet in Paris

Marcelline Delbecq hat sich in ihrer künstlerischen Laufbahn stufenweise von der Fotografie gelöst, um sich stärker auf das kinematische Potential des Schreibens zu konzentrieren. Sie verwendet sowohl darstellerische Elemente als auch Erzähler (die Stimme) um ein einzigartiges Universum zu schaffen, in dem das Schreiben, welches hier zu Klang wird, eine Reihe innerer Bilder erzeugt, die sich zwischen Beschreibung und reiner Fiktion hin und her bewegen. Ihre eigene Stimme, die sie in ihren Installationen, Publikationen und Lesungen häufig zum Einsatz bringt, fungiert als Off-Stimme für verschiedene „unsichtbare Kinoprojekte“, in denen die Wörter, umgewandelt in traumartige Bilder, die Betrachtung an sich hinterfragen. Ihr Film Close, der bei Johann König zum ersten Mal präsentiert wird, bedeutet für sie eine Rückkehr zum Gebrauch von Bildern nach einer Zeit, die ganz dem Schreiben gewidmet war.

Close ist ein langsames Travelling, welches den Betrachter zu einem Spaziergang in einem schönen Garten einlädt, teilweise „Wunschwegen“ folgend – wilden Trampelpfaden, die von Spaziergängern abseits des Weges ausgetreten wurden. Während die bodennahe Kamera ruhig durch Gras, Pflanzen und Blumen gleitet, liefert eine Stimme aus dem Off die architektonische Beschreibung eines Hauses, welches im Film nie zu sehen ist. Die Erzählung über La Maison Rose (das rosa Haus) in Monets Giverny, wurde durch eine Reihe von Gerüchten inspiriert, die besagen das Haus sei als Bordell genutzt worden, nachdem es eine Familienpension und ein Hotel gewesen wäre, welche mehr oder weniger berühmte Gäste bewirtet hätten. Marcelline Delbecq kombinierte gefälschte und reelle Sachverhalte, um eine Art „in-situ Arbeit“ zu schaffen, die sowohl die Phantasie als auch die Betrachtung herausfordert: während der Betrachter den Garten durchstreift in dem er sich nahezu verliert, manifestiert sich in seiner Vorstellung gleichzeitig das Haus. Der Erzählertext - geschrieben als Führung durch ein Haus welches für verbotene Aktivitäten berühmt ist - fungiert als ein unsichtbarer Film im Film der subtile Anhaltspunkte streut und im Zuschauer die Frage aufwerfen kann, was wir am Ende wirklich gezeigt bekommen: den vom Haus aus betrachteten Garten oder das vom Garten aus betrachtete Haus?

Die Arbeit Still zeigt ein Film-Still des Gartens in einer anderen Jahreszeit, worüber der Text der Off-Stimme gedruckt ist. Es ist als könnten sich die Geschichte des Hauses und die Erzählung immer nur wiederholen, ungeachtet dem Vergehen und Wiederaufblühen der Vegetation in dem Garten eines Hauses dessen geheimnisvolle Vergangenheit nie völlig aufgedeckt werden wird.

Marcelline Delbecq
Nora Schultz
26. November 2005 – 8.Januar 2006


Marcelline Delbecq
(Born in 1977)
Lives and works in Paris

Marcelline Delbecq has gradually moved away from photography to focus on the cinematic potential of writing. She uses both narrative and narrator (the voice) to create a singular universe where writing turned into sound generates a series of mental images, which move back and forth between description and pure fiction. Her own voice — which she often uses in sound installations, publications and readings — acts like a voice-over for various ‘invisible cinema’ projects where words, transformed into visions, call the whole act of beholding into question. Her film Close, presented for the first time at the Johann König Gallery, is significant of her recent return to the use of images after a period of time devoted to writing.

Close is a slow travelling allowing the viewers to go for a walk in a beautiful garden, partly following "desire lines" — wild paths created by people wishing to follow their desires by walking away from straight and traced lanes — as they move. While the almost-on-ground-level camera calmly strolls through the grass, plants and flowers, a voice-over narrates the architectural description of a house that will never appear on screen. The story of la Maison Rose (the Pink House), located in Monet’s Giverny, was actually inspired by long-time rumours asserting that the house used to be a whorehouse, after being a family pension and a hotel hosting more or less famous guests. Marcelline Delbecq used a combination of fake and real facts and fictions to create an « in situ » piece that engages both the imagination and the gaze : as the viewer happens to find himself hanging around in a garden, to an extent where he might get lost, he simultaneously pictures a house through the voice-over’s depiction. Written as a guided visit through a house supposedly used for illicit activities, the narrator’s text acts like an invisible film in the film, spreading subtle clues and allowing the viewer to wonder what is has really foreseen in the end : the garden viewed from the house or the house viewed from the garden ?

Still is the voice-over’s text printed together with a film-still of the garden in another season. As if the story and History could only repeat themselves, no matter the birth and death of vegetation in a garden overlooked by a house whose mysterious past will never be entirely revealed.