DEUS EX MACHINA
Sat 09. Sep 2006 - Sat 14. Oct 2006

Press Release


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Wir freuen uns sehr, die erste Einzelausstellung von Kris Martin (*1972) in der Galerie präsentieren zu können, in deren Rahmen der Künstler neuere Installationen und Fotografien zeigt.

In der Mitte des Raumes steht eine über 40 Jahre alte Druckmaschine. Das letzte Blatt bevor sowohl Druckermeister als auch Maschine aufhören zu arbeiten wird während der Eröffnung gedruckt, und zwar mit den Worten: ET TU: (dt.: „Auch Du,“). Es sollen die Worte Julius Cäsars gewesen sein bevor er von seinem mutmaßlichen Sohn Brutus ermordet wurde – sie drücken Erkenntnis und Erstaunen über den eigenen Tod aus. Endlichkeit und Relativität von Lebenszeit sind wichtige Motive im Werk von Kris Martin. Davon handelte auch die bei der diesjährigen Berlin Biennale gezeigte Arbeit Mandi III (2003). Das ist eine schwarze Anzeigentafel für An- und Abflugsdaten an Flughäfen ohne Ziffern und Buchstaben, von der nur das Geräusch der umklappenden Metallplättchen zu vernehmen ist. Das Fehlen des Textes – der Zeit- und Ortsangaben - verweist auf die schriftliche Ebene von Bedeutung. Immer wieder benutzt Kris Martin Zeichen, Worte, Zitate, Literatur - ob bei der wiederholten Markierung der Jahreszahl 2023 an unerwarteten Orten, der handschriftlichen Abschrift von Weltliteratur (Idiot, 2004-05) oder dem in eine Wand der Galerie gemeißelten Ausspruch AS A MATTER OF FACT – oft ist Text Quelle und Material zugleich. Die hier gezeigten Collagen, beinhalten das kleinste Textfragment: den Punkt. Es ist jeweils jener Punkt, der den Abschluss des letzten Satzes eines Buches markiert (z.B. das Tagebuch der Anne Frank). Die minimalistischen Collagen selber appellieren durch die beharrliche Leere des Papiers und den Buchtitel an die Imagination des Betrachters. Dieser Imaginationsraum ist in unterschiedlichen Arbeiten der Ausstellung präsent: Bei dem Globus (2006), der nicht mit Kontinenten sondern mit grüner Tafelfarbe bedeckt ist, bei dem leeren Fahnenmast (Les jours de Fête, 2005), der den Feiertag verspricht aber gar keine Fahne tragen kann und bei Mandi X (2006) einer roten Pappe, die bis vor kurzen als Träger für Ankündigungen über Veranstaltungen eines Rathauses diente. Zu sehen sind darauf jetzt nur noch die Löcher von den Pinnadeln. Termine, Daten, Ereignisse, also Zeit, wurde hier einmal akkumuliert und ist jetzt nur noch als Ansammlugn kleiner Nadellöcher materialisiert. Dargestellt sind im Werk des belgischen Künstlers somit immer wieder Leerstellen; das weiße Blatt, der leere Fahnenmast, der leere Globus, welche gleichzeitig Grenzen markieren - zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.


Kris Martin
DEUS EX MACHINA
September 9—October 14, 2006
Opening: September 8, 6–9pm, performance: 7:30pm

We are very happy to be able to present the first solo exhibition of Kris Martin (born in 1972), showing the artist's recent installations and photography.
In the middle of the space is a forty-year-old printing press. During the opening, both printer and press will print their final sheet, featuring the words "Et tu": supposedly Julius Caesar's last words before being killed by his friend Brutus, they express recognition and astonishment about his own death. Life's finitude and relativity are important motifs in the work of Kris Martin. This is also explored in the often discussed work 100 Years (2004), a steel ball that threatens to explode in one hundred years time, as well as Mandi III (2003), shown at this year's Berlin Biennale: a black airport sign for showing arrivals and departures, but without numbers or letters. We just hear the sound of the metal plates as they turn around. The lack of text—the time and places—refers to the textual level of meaning. Repeatedly, Kris Martin uses signs, words, quotations, literature, whether in the repeated marking of the year 2023 in unexpected places, the counting of the years of his life in fives (My Days Are Counted, 2005) or the handwritten copies of world literature (Idiot, 2004–05), often text is source and material. The collages shown here contain the smallest fragment of text: the period, a period that marks the end of the final sentence of a book (for example, The Diary of Anne Frank). The minimalist collages themselves appeal through the stubborn emptiness of the paper and the book title to the beholder's imagination. This space of imagination is present in various works: in a globe not covered in continents, but green paint, or in the empty flag mast (Les jours de fête, 2005) that seems to promise a state holiday, but cannot hold a flag. Represented in this way are thus voids, the white sheet, the empty flag mast, the empty globe, also marking limits: between imagination and reality, between past and present.