FRÜCHTE DER ARBEIT
Sat 17. Jan 2009 - Sat 07. Mar 2009

Press Release

NATASCHA SADR HAGHIGHIAN bei Johann König, Berlin, 2008: FRÜCHTE DER ARBEIT, 2008
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Johann König, Berlin freut sich, mit „Früchte der Arbeit“ (2008) die zweite Einzelausstellung von Natascha Sadr Haghighian zu präsentieren. Haghighians Installation versperrt den Zugang zum Galerieraum durch eine große Glasscheibe, wodurch zwei getrennte Räume entstehen. In dem für den Besucher zugänglichen kleineren Vorraum steht ein gebrauchter Allesbrennerofen. Neben dem Ofen sind auf einer Europalette etwa 400 Briketts aus geschredderten Euronoten mit einem ehemaligen Wert von ca. 90 Millionen Euro gestapelt. Die Noten wurden von der Bundesbank eingezogen, entwertet und zu Briketts gepresst. Ein Brikett wiegt circa eineinhalb Kilo, hat einen ehemaligen Wert von einer Viertelmillion Euro und eine Brenndauer von 4 Stunden. Vom Ofen aus führt ein rund acht Meter langes verwinkeltes Abzugsrohr durch den Vorraum und durch ein Loch in der Scheibe in den verschlossenen Galerieraum. Hinter der Scheibe, die durch die Rahmung wie ein Display erscheint, quillt aus dem Ofenrohr eine Wolke aus grünen Plastikäpfeln aus chinesischer Produktion. Spotlights in den europäischen Farben blau und gelb werfen Lichter auf die falschen Früchte. Dazu ertönt euphorische Eurotechnomusik, deren wummernde Bässe im Vorraum wahrnehmbar sind.

„Früchte der Arbeit“ entwickelte die Künstlerin im Herbst 2008 für ihre Einzelausstellung im Frankfurter Kunstverein. Den Ausgangspunkt bildete die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Finanzplatzes Frankfurt/Main, mit Fokus auf die europäische Währungsunion. Während die Einführung des Euro im Jahr 1999 die Außenhandelsposition der Europäischen Union stärkte und stabilisierte, halbierte sich der Wert des von der Bevölkerung verfügten Geldes quasi über Nacht. Wertschöpfung bei gleichzeitiger Wertvernichtung. Starke Währung und expandierende Märkte stehen dem Verlust von Arbeitplätzen und der Verlagerung von Produktionsstätten gegenüber. Haghighians Inszenierung von zwei, voneinander abgetrennten aber dennoch miteinander verbundenen Räumen, findet ein starkes Bild für diesen scheinbaren Widerspruch. Die Installation mit „Eventcharakter“ feiert auf ironische Weise die Erfolgsgeschichte der europäischen Union, welcher der Betrachter nur auf dem Megadisplay beiwohnen darf.

Unter dem unmittelbaren Eindruck der aktuellen Finanzkrise gewinnt die Arbeit eine weitere Betrachtungssebene. Geld bestimmt maßgeblich unser alltägliches, praktisches Leben, und ist doch eine gänzlich abstrakte Größe. Obwohl die Geldbriketts völlig wertlos sind, löst der Gedanke an ihren einstigen Wert eine emotionale Attraktion aus. Wie in anderen Arbeiten auch, hinterfragt die Künstlerin hier die Regeln der Repräsentation. Wie wird Wert bestimmt innerhalb der bestehenden wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse und von wem? Der Spekulationslogik der Finanzmärkte folgend ist Wert relativ und basiert vor allem auf Vertrauen in ein Bild oder eine Behauptung. Die Einbildung, aus der Addition von wertlosen Geldbriketts und einem Verbrennungsofen könnte eine frühlingsfrische Apfelwolke entstehen, ist in diesem System eine reine Glaubensfrage.

Präsentiert innerhalb einer kommerziellen Galerie fließt „Früchte der Arbeit“ demnach selbst in die marktwirtschaftliche Wertschöpfungskette ein. Diedrich Diedrichsen sagt „jeder nichtmaterielle Wert braucht die Aura unbezahlbar zu sein, damit er als Kunst erkannt oder anerkannt wird. Nur diese Konstruktion versichert dem Konsumenten – Käufer wie Betrachter-, dass es sich nicht um Willkür handelt, der er sich aussetzt. Autorität und Kapital treffen sich im Kunstwerk und vereinbaren seine Wertigkeit.“ (diedrich diedrichsen der kunstanspruch der medienkünste, http://www.artechock.de/kunst/magazin/re/dididr.htm)
Was bedeutet die Krise für die Kunst? Oder vielmehr, welche Rolle spielt die Kunst innerhalb der Wertschöpfungslogik der Finanzmärkte? Ist die große Party nun vorbei?

Natascha Sadr Haghighian beschreibt ihre Arbeit als einen fortlaufenden Prozess des Befragens und Verunsicherns sozialpolitischer Hierarchien und Konventionen, den sie mit unterschiedlichen Medien wie Video, Diaprojektionen, Kurzfilmen, Website-Präsentationen, Fotografien, Aktionen und Veranstaltungen artikuliert.

Natascha Sadr Haghighian (*1999, Frankfurt am Main ) studierte an der Hochschule der Künste in Berlin Bühnenbild und Kostüm (Master). Haghighian besuchte Kurse bei den Komponisten Dieter Schnebel (Musiktheater, Fluxus) und Maria Vedder (elektronisches Bühnenbild und Video). Während dieser Jahre erweitere sie ihre Studien zu Performance, experimenteller Musik und Videokunst. 1998 besuchte sie die Summer School of Goat Island (Performancegruppe, Chicago) des CCA in Glasgow. Von 1995 bis 2001 realisierte sie verschiedene Multimedia- und Theaterprojekte mit der Gruppe ?ex machinis?. Seit 2002 arbeitet Haghighian mit verschiedenen in Berlin lebenden Videokünstlern, Komponisten und Soundkünstler zusammen. Die Künstlerin entwickelte eine Reihe von Soloperformances und erhielt Stipendien in Basel (2003) und am Art Center Nadine in Brüssel (2004). Ihre Arbeiten wurden bisher in Berlin, Hannover, Hamburg, Frankfurt; Paris, Brüssel, Rom und Buenos Aires gezeigt.
Dieser Lebenslauf stammt von http://www.bioswop.net/





NATASCHA SADR HAGHIGHIAN at Johann König, Berlin, 2008: FRUITS OF ONES LABOUR
Johann König, Berlin, is pleased to present “Fruit of One’s Labour”, Natascha Sadr Haghighian’s second solo exhibition at Johann König. Haghighian’s installation blocks entry into the gallery space by means of a large glass panel, creating two separate spaces. In the smaller front space, which is accessible to visitors, stands a used multi-fuel heating stove. Next to the oven, on a wooden loading pallet from the Europool trading system, lies a stack of around 400 briquettes made out of shredded Euronotes amounting to a former value of ca. 90 million euros. The notes were collected by the German Federal Bank, voided and pressed into briquettes. One briquette weighs around one and a half kilos, is formerly worth a quarter of a million euros, and burns for four hours. An approximately eight meter long, winding exhaust pipe comes out of the stove and leads through the front space, through a hole in the glass panel and into the sealed-off gallery space. Behind the panel, which, due to its framing, appears to be a display screen, a cloud of green plastic apples, made in China, billows out from the exhaust pipe. Spotlights in blue and yellow, the colors of the European Union, cast light onto the fake fruit, and euphoric Eurotechno music resounds behind the glass; the booming bass is perceptible in the front space.

“Fruit of One’s Labour” was developed by the artist in the fall of 2008 for her solo exhibition in the Frankfurter Kunstverein. The point of departure was shaped by an examination of the history of the financial center, Frankfurt am Main, with a focus on the European Monetary Union. While the implementation of the euro in 1999 strengthened and stabilized Europe’s clout in terms of foreign commerce, the value of money in the hands of the population dropped by fifty percent virtually overnight: the creation of value and the obliteration of value, simultaneously. Strong currency and expanded markets go hand-in-hand with both the loss of jobs and the relocation of production facilities. Haghighian’s staging of two seemingly separated yet still interconnected spaces conjures a strong image for this manifest contradiction. The installation, with its “event character”, ironically celebrates the European Union’s story of success, a story which the viewer can attend only by way of the megascreen. Considering the current financial crisis, the work attains a further level for reflection. Money is definitive of our everyday, practical lives and is nonetheless a totally abstract unit. Even though the money briquettes are completely worthless, the thought of the value they held once upon a time stimulates an emotional attraction. Like previous works, here the artist also challenges the rules of representation. How, and by whom, is value gaged within existing economic and social relations? Value is relative, according to a speculative logic that follows financial markets, and it is based, above all, on the trust in an image or an assertion. The presumption that a spring-fresh cloud of apples could emerge from the addition of worthless briquettes of money to a fuel-burning stove is purely a matter of faith.

“Fruit of One’s Labour”, itself presented in a commercial gallery, is thus integrated into the market-economic chain of value-creation. Diedrich Diedrichsen says that “every form of immaterial value relies on an aura of pricelessness in order to become recognized as art. This construction alone guarantees the consumer – buyer and viewer alike – that he is exposing himself to something other than caprice. Authority and capital converge in the artwork and declare its perceived value.” (Diedrich Diedrichsen; Der Kunstanspruch der Medienkünste, http://www.artechock.de/kunst/magazin/re/dididr.htm)
What meaning does this crisis hold for art? Or to be more precise, what role does art play within the financial market’s logic of value creation? Has the big party come to an end?

Natascha Sadr Haghighian describes her work as a continual process of interrogation and unhinging of sociopolitical hierarchies and conventions, a process which she articulates with varying media, such as video, slide projections, short films, website presentations, photographs, actions and events.

Natascha Sadr Haghighian (*1999, Frankfurt am Main ) studied scenography and theatre costume (masters degree) from 1989-95 in Berlin at the Hochschule der Künste (Academy of Fine Arts). During these years she extended her studies towards performance art, experimental music and video art. She attended courses with the composer Dieter Schnebel (music theatre, FLUXUS) and Maria Vedder (electronic scenography and video). In 1998 she attended the Summer School of the Chicago-based performance company, Goat Island, at the CCA in Glasgow. From 1995 to 2001 she realised several multimedia and theatre projects with the group, ex machinis. Since 2002 she has been collaborating as a video artist with Berlin-based composers and sound artists. She developed several solo performances and has been invited as artist-in-residence in Basel, Switzerland (2003) and in Brussels at the art Center Nadine (2004). She presented her solo work in Berlin, Hannover, Hamburg, Frankfurt, Paris, Basel, Brussels, Rome and Buenos Aires.
This biography was taken from: http://www.bioswop.net/