Micol Assael Inner Disorder 2009
Sat 27. Jun 2009 - Sat 29. Aug 2009
Press Release
Die italienische Künstlerin Micol Assaël zeigt in ihrer zweiten Einzelausstellung bei Johann König, Berlin eine Serie von sieben eindrucksvollen Glasvitrinen, bestückt mit 250 kleinformatigen weißen Zeichnungen aus der Reihe „Inner Disorder" (1999 – 2001) und eine groß angelegte schwarze Wandmalerei. Die Präsentation in den auf starken Aluminiumrohren lagernden Vitrinen aus Sicherheitsglas unterstreicht den Minimalismus der fragilen Papierarbeiten und lässt die Anordnung wie die Dokumentation einer methodisch angelegten Untersuchung erscheinen.
Die Zeichnungen begann Micol Assaël als Studie über die Beziehung von Luft und Licht während eines Aufenthalts in der wüstenartigen Landschaft Islands. Nach ihrer Rückkehr nach Rom machte sie es sich zur Gewohnheit, jeden Tag mit der Anfertigung einer weißen Tuschzeichnung zu beginnen, anstatt wie bisher ihre Träume zu notieren. Wie Tagebuchaufzeichnungen bezeugen die Zeichnungen die konstanten Veränderungen innerhalb der Zeit.
Die ästhetische Leichtigkeit der Papierarbeiten steht nur scheinbar in Kontrast zu Micol Assaëls meist mit schwerer Maschinentechnik inszenierten Rauminstallationen, die oft eine physische Herausforderung an das Publikum darstellen. 2007 zeigte sie bei Johann König, Berlin einen begehbaren Container, in welchem sie ausrangierte Motoren auf niedrigen Frequenzen heiß laufen ließ, so dass sich der Raum mit Rauch und Benzingeruch füllte. Das Brummen und Surren der startenden und stoppenden Motoren fügte sich zu Geräuschharmonien zusammen, die mit Betreten des Containers als eine Art materialisierter Sound körperlich spürbar wurden.
Assaëls Versuchsanordnungen sind streng nach den Gesetzmäßigkeiten der Physik, der Mechanik und der Logik konstruiert. Zugleich reflektiert die Künstlerin philosophische Konzepte, die in der Verknüpfung von Natur- und Geisteswissenschaft die Suche nach einer „physikalischen Heimat für das menschliche Bewusstsein" unternehmen. Unter diesem Aspekt betrachtet erscheinen die amöbenartig gezeichneten Formen der Serie „Inner Disorder" wie energiegeladene Partikel in ständiger Bewegung. Entstanden in einem halbbewussten Zustand zwischen Träumen und Wachen, dokumentieren sie gleichsam empirisch die Bewegungen des Geistes. Der Sprung von „mikro" zu „makro" – von der zarten Zeichnung zur großflächigen Wandmalerei – übersetzt das Verfahren in eine quasi analytische Darstellungsform.
Micol Assaël (*1979) lebt und arbeitet in Rom und Moskau. Die Galerie Zero in Mailand zeigt derzeit ebenfalls Arbeiten der Serie „Inner Disorder" (1999 – 2001). Die Wiener Secession widmet der Künstlerin vom 10. September bis 8. November 2009 eine Einzelausstellung sowie das Museion im Jahr 2010. 2009 zeigten bereits das Palais de Tokyo in Paris und die Kunsthalle Fridericianum in Kassel sowie 2007 die Kunsthalle Basel Arbeiten von Micol Assaël in Einzelpräsentationen.
Text: Isabel Hempel
For her second solo exhibition at Johann König, Berlin, Italian artist Micol Assaël will be showing an array of seven imposing glass vitrines outfitted with 250 white drawings of small format from the series „Inner Disorder" (1999 – 2001) beside a large, black wall-painting. The display – vitrines made out of safety glass loaded on sturdy aluminum tubes – emphasizes the minimalism of the fragile works on paper and makes the arrangement appear as a methodological investigation.
Micol Assaël began these series of drawings during her stay in the desert-like Icelandic landscape as a study on the relationship between air and light. After her return to Rome, she made a habit of starting every day with the creation of a white ink drawing instead of writing down her dreams like she did before. In the way of diary sketches, the drawings attest to constant transformations within time.
The aesthetic lightness of the paper works seems to contrast Micol Assaël’s installations in space, usually made of a heavy, machine-like technicality and often challenging the visitor physically. In 2007 she exhibited an accessible container at Johann König, Berlin. Inside the container low-frequency motors run hot so that the space filled up with smoke and a gasoline stench. The humming and buzzing of the motors starting and stopping produced noise-harmonies which upon entering the container could be felt with the body.
Assaël's installations are strictly built upon the laws of physics, mechanics and logic. At the same time, the artist reflects on philosophical concepts, which attempt to find a „physical Heimat for human consciousness" by connecting natural and social sciences. From this perspective, the amoeba-like forms in the drawing series „Inner Disorder" appear like energy-loaded particles in constant movement. Resulting from a half-conscious state between dreaming and waking, they seem to document empirically the mind's flow. The leap from "micro" to "macro", from subtle drawings to the large-format wall painting, translate the process into an almost analytic representational form.
Micol Assaël (*1979) lives and works in Rome and Moscow. Gallery Zero in Milan is currently showing works from the same series „Inner Disorder" (1999 – 2001). Secession in Vienna is dedicating a solo exhibition to the artist from September 10th to November 8th 2009. Museion in Bozen will present a solo exhibition in 2010. Micol Assaël's works have been shown previously within solo shows in 2009 at Palais de Tokyo in Paris and at Kunsthalle Fridericianum in Kassel as well as in 2007 at the Kunsthalle Basel.
Translation: Veronica Lehner
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