GRENZFÄLLE FUNDAMENTALER THEORIEN
Tue 15. Sep 2009 - Sat 07. Nov 2009

Press Release


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Alicja Kwade zeigt in ihrer ersten Einzelausstellung bei Johann König, Berlin eine raumgreifende Installation sowie eine neue Videoarbeit. Elf schwarze hochglanzlackierte Stahlplatten, die in Höhe und Länge variieren, beschreiben die Form einer Sinuskurve in verschiedenen Frequenzen. Die unterschiedlich geformten Platten bilden einen Resonanzspiegel für das sonore Knacken und Rauschen aus den Lautsprechern, die davor positioniert sind. Die Lautsprecher sind über Kabel mit den Leuchtstoffröhren unter der Decke verbunden; der Ton wird anhand von Tonabnehmern übertragen.

Durch die akustische Verstärkung macht Kwade elektromagnetische Wellen als Hintergrundrauschen hörbar und visualisiert durch die Stahlplatten die gemeinsame physikalische Grundlage sowohl von Licht- als auch Schallwellen. Der Betrachter spiegelt sich in der glänzenden Oberfläche. Die Wellenform verzerrt das eigene Spiegelbild: es verdoppelt sich an der einen Stelle und verschwindet auf der Anderen. Gleiches geschieht auch auf akustischer Ebene: Je nach Standort wird das Geräusch reflektiert oder es überlagert sich und ist daher beim Vorübergehen leiser und lauter zu hören.

Kwade beschäftigt sich mit grundlegenden physikalischen Kräften, aus denen sich unsere Welt zusammensetzt. Sie geht hier bis an den Ursprung des Universums zurück, an dem Materie, Raum und Zeit aus einer Singularität am Nullpunkt des Universums entstanden sind. Sie versucht das Unvorstellbare fassbar zu machen und findet eine sinnliche Entsprechung für an sich abstrakte Phänomene, die nur in der Theorie ihre Erfüllung finden und von uns nur zu einem geringen Bruchteil z.B. als Licht und Ton wahrgenommen werden.

Auch in ihrer neuen Videoarbeit hinterfragt die Künstlerin unsere Wahrnehmung der Realität. Der im Loop laufende Film scheint einen Meteoriten zu zeigen, der schwerelos durchs All schwebt und sich langsam drehend von rechts nach links durchs Bild bewegt. In Wirklichkeit ist es nur ein gewöhnlicher Kieselstein, dessen Flug mit einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgenommen wurde. Einmal mehr zeigen sich hier die Grenzen des eigenen Wahrnehmungsraums und mit einem ironischen Blick stößt Alicja Kwade die Tür zu den Welten auf, die dahinter verborgen liegen.

An die Parallelwelten unserer Wahrnehmung knüpft sie auch in einer Installation an, die sich außerhalb des Ausstellungsraums befindet. Zwei silberfarbene Nissan Micra parken vor dem Eingang. Ein Wagen ist das Spiegelbild des anderen. Nicht nur das Lenkrad findet sich spiegelbildlich, sondern auch die Beule im Kotflügel ist in identischer Form auf der anderen Seite des zweiten Wagens vorhanden. Sogar die anscheinend zufällig verteilten Alltagsgegenstände im Wagen finden ihre Entsprechung. Das Zeugnis eines Unfalls doppelt sich in einem zur Wirklichkeit gewordenen Spiegelbild.

Alicja Kwade (geboren 1979 in Kattowice, Polen) lebt und arbeitet in Berlin, wo sie bis 2005 an der Universität der Künste studierte. 2008 erhielt sie den Piepenbrock Förderpreis für Skulptur verbunden mit einer großen Einzelausstellung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart - Berlin.


BORDER CASES OF FUNDAMENTAL THEORIES
For her first solo exhibition at Johann König, Berlin, Alicja Kwade will be showing an installation as well as a new video work. Eleven steel plates, lacquered in shiny black and varying in size, describe a sine curve's form in diverse frequencies. The plates, each having a different form, build a resonance mirror for the sonorous crackling and rustling coming from the speakers positioned in front of them. The speakers in turn, are connected with cables to the lighting tubes under the roof, whose sound will be played-back over a magnetic cartridge.

Through acoustic amplification, Kwade makes electromagnetic waves audible as background noise while at the same time visualizing the complete physical foundation of light and sonic waves by means of the steel plates. The form of the wave distorts its own mirror image as it doubles itself at some points, while disappearing at others. Similarly, on an acoustic level, depending on the position, the noise is either reflected or overlaps itself, causing it to be louder or quieter as one passes by.

Kwade works with the basic forces of physics which make up our world. She goes back to the origin of the universe, where matter, space and time emerged from a singularity at its zero point. She seeks to make the unpresentable graspable and finds a sensory correspondence for abstract phenomena, which only find their fulfillment in theory and are perceived by us only in a very small fraction as light and sound for example.

In her new video work, the artist also questions our perception of reality. The looped film appears to show a meteorite, lightly floating through outer space, which moves through the image as it slowly turns from right to left. Actually, it is only a common pebble's flight, which was recorded with a high speed camera. Once again, the limits of our perceptual space come to light as Alicja Kwade, from an ironic stand point, pushes open the door to those worlds which lay hidden behind.

With an installation outside of the gallery space, Kwade further delves into the parallel worlds of our perception. Two silver-colored Nissan Micras park in front of the entrance. One vehicle is the mirror image of the other. Not only is the steering wheel mirrored, but also the dent on the fender can be found identically on the other side of the second vehicle. Even the randomly scattered everyday items in the vehicle find their correspondence. The testimony of an accident is doubled in a mirror image made reality.

Alicja Kwade (born 1979 in Kattowice, Poland) lives and works in Berlin, where she studied at the Universität der Künste until 2005. In 2008 she won the Piepenbrock Prize for Sculpture, which was conjoined with a large solo exhibition at the Hamburger Bahnhof – Museum for Contemporary Art - Berlin.